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  • Klaudia Seber

Vom Tinnitus zurück ins wahre Leben

Das (un)wahre Leben

Bis vor ein paar Wochen oder sogar Tagen hätte ich niemals über mein Schreckgespenst, meinen Tinnitus geschrieben. Viele wissen gar nicht was das ist, oder kennen es selber als wieder kehrender kurzer Piepser im Ohr, der nach spätestens 2 Minuten wieder verschwunden ist. Doch bei mir dauert das Ohrgeräusch schon mehr als 1.422.000 Minuten an, d.h. über 3 Jahre.

Dass es hierbei Minuten tiefster Verzweiflung gegeben hat - besonders zu Beginn - wusste wohl bis jetzt nur mein Mann und meine Schwester und einige meiner Arbeitskollegen. Vor allen Anderen habe ich wohl gewirkt, als würde ich damit klar kommen.

Nach einem anfänglichen Ärztemarathon habe ich erkannt: Du kannst Dir nur selber helfen! Nach mehreren neuen Ohrgeräuschen im Laufe der Jahre kam mir: Das hast Du Dir selber angetan, Du hast nicht auf dich geschaut! Du brauchst nicht erwarten, dass das andere für Dich tun, besonders nicht in der Arbeitswelt.


Dein Körper ist das Heim der Seele

Und so kamen mehrere Steine ins Rollen, ich habe mit Yoga angefangen. Zu Beginn war es eine Wiedergutmachung an meinen Körper, um meine durch den Stress angespannten und durch das Sitzen verkürzten Muskeln wieder in die Norm zu bringen. Doch was ich genauso lernen musste: Du kannst dem Körper in einem Jahr erheblichen Schaden zufügen, doch braucht es doppelt so lange es wieder gut zu machen. Mittlerweile ist Yoga mehr als nur Wiedergutmachung an meinen Körper, es ist meine Self-Care-Time. In den Yogastunden bin ich nur für mich da, es interessiert mich nichts, ich setze mich nicht unter Druck und das bringt mich zu kleinen und auch zu großen persönlichen Erfolgen. Yoga ist kein Sport, Yoga bringt deine Energie wieder in Schwung, innere Blockaden lösen sich, man bekommt eine andere Haltung (innerlich wie äußerlich) und dadurch ein anderes Bewusstsein für den Körper und seinen Seelenzustand.




Die Erwartungen an das wahre Leben

Nachdem mein Tinnitus entstand und vielen verzweifelten Momenten stellte ich irgendwann fest: Ich gehe ich die Arbeit, lasse dort meine ganze Energie, die ich körperlich und psychisch für den Tag habe, komme nach Hause und bin platt. Ich schaffe es noch Lebensmittel einzukaufen und mir etwas zu Essen zu machen und dann heißt es: Hallo Couch! Und so geht das Tag für Tag für Tag. Für den Rest meines Lebens??? Und hier überspringe ich einige Gedankengänge, den von heute auf Morgen entscheidet man nicht einfach so seine Arbeitsstunden zu kürzen und seinem Hobby nachzugehen. Denn Geld verdienen muss jeder von uns.

Und so fällt einem Schuppe für Schuppe von den Augen, reingedrängt durch die Erziehung und die Gesellschaft sitzt man Tag für Tag in einem Raum in dem die Sonne nur die Sicht auf den Bildschirm stört. Doch was ist mit meinem Hobby - dem Malen geworden? Was ich vor Jahren wegen des Biotechnologie-Studiums nicht mehr besonders verfolgt habe, und vielleicht sogar aufgegeben habe, da meine Bewerbung an verschiedenen Kunstakademien fehgeschlagen sind, blühte jetzt neu auf! Ich entdeckte durch Zufall die begabte Künstlerin Flora Bowley, die durch Mut und Intuition wunderschöne Werke Ihres Innersten schafft. Also startete ich neu und versuchte ebenfalls auf meine Innere Stimme zu hören und merkte, dass ich sie ziemlich lange unterdrückt habe. Ich besuchte einen Kurs für intuitive Malerei und bekam Zuspruch für meine Art. Jedoch taten sich auch schmerzhafte Seiten auf und ich merkte: der Tinnitus ist nur der Schrei meiner Seele und meines Körpers, den ich nun jeden Tag höre.


Wer bin ich eigentlich?

Es ist ein weiter Weg wieder zurück zu sich selbst. Ich musste viel wieder neu lernen, was ich als Kind intuitiv gelebt habe. Ich musste viele Gewohnheiten ablegen, die mich innerlich und sozial gebremst haben. Ich musste sehr viel Mut beweisen und Hindernisse überwältigen, die sich wie Berge vor mir auftürmten. Und angelangt bin ich immer noch nicht in meinem innersten Ich. Doch das Ziel habe ich vor Augen und vertraue auf mich selbst. Denn wer mal einen Schritt aus seiner bisherigen kleinen Welt herausgetreten ist, der sieht erst, welche Möglichkeiten da draußen existieren. Es gibt kein Richtig oder Falsch, man muss nur darauf vertrauen, dass es so kommt wie es kommen soll. Eigentlich ganz einfach, oder?



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